WAZ vom 26.05.2004
Bei den Schlümpfen ist es anders
Erzieherinnen erlebten spannende Tage in
Alanya - Keine Touristen
Sechs Tage in Alanya bzw. in Oba, der türkischen Partnerstadt Oer-Erkenschwicks, das waren sechs außerordentlich spannende Tage für Ute Acs und einige ihrer Mitarbeiterinnen.
Die Leiterin des DRK-Kindergartens an der Henri-Dunant-Straße war auf Einladung des Schlumpf-Kindergartens in Alanya in die Türkei geflogen. Mit ihr reisten die Erzieherinnen Meike Bley, Miriam Malecha, Filiz Özkan und Anerkennungsschülerin Hatice Arslan. Und sie reisten nicht als Touristinnen. "Wir durften ins Innere gucken", sagt Ute Acs. Die Frauen lernten die Türkei eben aus einer ganz anderen Perspektive kennen als Urlauber das tun. Gut, die Gastfreundschaft, die überaus "freundliche Aufnahme", von der die Reisenden erzählen, die ist bekannt. Aber wie dort der Alltag in einem Kindergarten aussieht oder wie
das ist, wenn man von einer türkischen Zeitung zur Frau des Monats gewählt wird und ein vierseitiges Interview gibt, das waren dann doch ganz neue und überraschende Erfahrungen.
Der Interview-Text von Ute Acs, die in Alanya Frau des Monats wurde, hängt jetzt im Kindergarten. In türkischer Sprache natürlich. Deutsche werden da vielleicht noch Schalke 04 entziffern können. Die 46-Jährige ist Fan des Vereins. Und ja, die Marke des Autos, das die Kindergartenleiterin fährt, kann man als Deutscher auch noch lesen. Darüber hinaus wollte man von Ute Acs ganz viel Persönliches wissen. "Sie wollten erfahren, was ich für ein Mensch bin", sagt die Frau des Monats. Wann
sie zum letzten Mal gelacht oder geweint habe, sollte sie zum Beispiel erzählen. Oder, was ihre größte Dummheit war. "Das sage ich jetzt aber nicht, es reicht schon, wenn unsere türkischen Eltern das lesen", lacht die Oer-Erkenschwickerin, die, was den Umgang der Menschen in der Türkei angeht, eine weitere Erfahrung gemacht hat. "Wenn sie dich dort fragen, wie es dir geht, möchten sie eine ehrliche Antwort haben."
Frau des Monats wurde Ute Acs auch, weil den Türken ihre Art zu leben gefiel, eben in einem Haus mit ihren teils schon erwachsenen Kindern, die 23, 20 und elf Jahre alt sind, und den Großeltern. "Außerdem sahen sie in mir eine Botschafterin für die Kindergärten", so Ute Acs. Partnerschaften von Kindergärten habe es bisher noch nicht gegeben. Man würde das aber gerne ausbauen.
Super spannend war für die Erzieherinnen natürlich die Arbeit im Schlumpf-Kindergarten. "Der Kindergarten ist eine Vorstufe der Schule", sagt Ute Acs. "Die Erzieher werden auch Lehrer genannt", erzählt Erzieherin Meike Bley. Auch ansonsten ist so ziemlich alles anders. Das fängt schon damit an, dass sich nur Besserverdienende den Kindergarten leisten können. Ein Platz kostet 200 Euro pro Monat. "Bei einem durchschnittlichen Einkommen von 600 Euro ist das heftig", so Ute Acs.
Dann hat der Kindergarten von 8 bis 18 Uhr geöffnet. Alle Kinder sind in Gruppen strikt nach Alter getrennt. "Sie haben einen ganz konkreten Tagesplan", erzählt Meike Bley. Wie in der Schule säßen die Kinder schon an Tischen und würden mit Arbeiten betraut. Die Kinder selber sind ebenfalls anders. "Disziplinierter", sagt Ute Acs, "wissbegierig und sehr stolz auf das, was sie leisten."
Wenn alles klappt, dann ist im kommenden Jahr ein Gegenbesuch geplant, dann könnten sich türkische Erzieherinnen vor Ort umsehen. rea

